Schlagwort: Behinderung

  • Nicht euer Humor, sondern unsere Realität

    Nicht euer Humor, sondern unsere Realität

    Mit Satire und Ironie kann nicht jeder umgehen – das erfordert Intelligenz. Wer das nicht hat, sollte lieber bei seinen flachen, infantilen Witzen bleiben. Hört auf, offensichtliche Halb-Trotteln, die an der Grenze zur geistigen Behinderung stehen, so viel Aufmerksamkeit zu schenken und kümmert euch endlich um echte Probleme! Wem die Belange von Menschen mit Behinderungen wirklich am Herzen liegen, der sollte:

    • dafür kämpfen, dass sie fair bezahlt werden, statt in Behindertenwerkstätten ausgebeutet zu werden,

    • barrierefreie Infrastrukturen fordern, damit Menschen mit Behinderungen überhaupt an der Gesellschaft teilhaben können,

    • sich für mehr behindertengerechte Wohnungen einsetzen,

    • gegen Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt protestieren und

    • für eine menschenwürdige Pflege kämpfen!

    Im Gegensatz zu anderen vermeintlichen Randgruppen haben Menschen mit Behinderungen wenig davon, wenn man sie nur politisch korrekt anspricht, während ihr Umfeld gar nicht darauf ausgelegt ist, sie wirklich in die Gesellschaft einzubinden. Es bringt uns nichts, höflich behandelt zu werden, wenn die Welt um uns herum uns weiterhin ausschließt.

    Unser wahres Problem sind die alltäglichen Hürden, die unsere Lebensqualität bestimmen. Deswegen können wir uns solche Banalitäten nicht leisten! Nenn mich ruhig ‚der Rollstuhl‘, solange ich im Winter jedes Restaurant betreten kann, ohne vor Treppen zu stehen. Du darfst mich gerne ‚behindert‘ nennen, wenn ausreichend barrierefreie Toiletten vorhanden sind. Sag meinetwegen ’nicht normal‘ zu mir, solange ich ohne Probleme auf der anderen Straßenseite fahren kann.

    Serdar Somuncu sagte einmal: „Jede Minderheit hat das Recht auf Diskriminierung.“ Für uns Menschen mit Behinderungen bedeutet das, dass wir oft so wenig Beachtung in der Gesellschaft finden, dass wir fast dankbar sind, wenn wir überhaupt mal auf humorvolle Weise erwähnt werden. Unsere Toleranz für Humor ist daher oft höher als die von Menschen, die nicht betroffen sind – einfach, weil wir froh sind, wenigstens auf diese Weise mal berücksichtigt zu werden. Viele von uns haben deshalb ein dickes Fell entwickelt. Trotzdem sind wir nicht alle derselben Meinung: Manche von uns empfinden bestimmte Witze als verletzend, während andere gut damit umgehen können und sogar darüber lachen.

    Macht euch lieber darüber Gedanken, anstatt ständig darüber zu diskutieren, welche Worte man tabuisieren sollte oder welche dummen Witze einen Aufschrei verdienen. Es geht nicht um Witze, die wir nicht hören wollen, sondern um unsere Realität, die ihr nicht sehen wollt.

  • Schwerbehinderte Beziehungen

    Schwerbehinderte Beziehungen

    Es war Platon, der sagte: „Liebe ist eine schwere Geisteskrankheit.“ Also im Prinzip eine Art Behinderung. Google zufolge ist die Definition für ‚behindert‘ nämlich: „Infolge einer körperlichen, geistigen oder seelischen Schädigung beeinträchtigt.“ Passt eins zu eins auch auf Menschen, die verknallt sind. Im Grunde auch nur ein anderes Wort für ‚einen Knall‘ haben. Eigentlich sollte man ja sich vor Leuten, die einen Knall haben, etwas in Acht nehmen! Aber viele fürchten sich vor etwas ganz anderem.

    Es gibt drei große Szenarien, vor dem fast jeder Mensch panische Angst hat:

    1. allein sterben, 
    2. in eine finanzielle Misere zu fallen,
    3. krank werden, oder aufgrund eines Unfalls eingeschränkt sein.

    Ich als Rollstuhlfahrerin verkörpere in den Augen vieler Leute genau das. Alle Ängste vereint in einer Person. Viele glauben, dass Menschen mit Behinderung finanziell sehr schlecht dastehen (bzw. sitzen), weil sie ihre Wohnungen, Fahrzeuge etc. behindertengerecht umbauen müssen, oder andere spezielle Hilfsmittel brauchen. Wie viel kann da noch übrigbleiben? Dann kommt noch die Tatsache, dass man als Rollstuhlfahrer ständig auf Hilfe und Aufzüge angewiesen ist. Scheinbar sind einige Menschen der Meinung, dass das persönliche Lebensglück damit zusammenhängt, ob man Treppensteigen oder ein Marathonläufer werden kann. Folglich kann man mit all diesen Problemen auch kein Partner finden. Der wird nämlich automatisch als Pfleger assoziiert. 

    ‚Einbildung ist auch eine Behinderung‘

    Sobald ich irgendein Punkt davon überlistet habe, fühlt es sich so an, als hätte ich es der ganzen Welt gezeigt. Und genau das ist hochkant FALSCH! Man sollte meinen, dass ich über den Punkt hinaus wäre. Aber nach gewissen Erfahrungen, wir einem immer wieder bewusst, dass man selbst das größte Problem mit der eigenen Behinderung hat und nicht die anderen. 

    Kompromissbereitschaft 

    Während alle anderen Menschen befürchten sich mit dem Corona-Virus anzustecken, hatte ich mich in den letzten Monaten mit Monogamie angesteckt. Die Sicherheitsvorkehrungen waren fast dieselben. Ich war freiwillig in Quarantäne, habe nicht mehr viel aus mir gemacht und wenn ich raus ging, hatte ich eine unsichtbare Maske auf, damit niemand merkt, dass ich eigentlich unzufrieden war. Abgesehen davon, verwandelte mich in eine Art Kindermädchens für den großen Jungen an meiner Seite. Ständig ertappe ich mich dabei, wie ich solche Fragen stellte, wie: „Hast du heute genug gegessen? Bist du gut zuhause angekommen? Soll ich lieber zuhause bleiben?“ Das einzige, was ich nicht getan habe, ist ihn auf den Schoß zu nehmen, um ihn ein Bäuerchen zu entlocken! 

    Selbsttreue 

    Der innere Antrieb von mir war weg. Ich schob alles auf den unschuldigen Virus, der schließlich die ganze Welt lahmgelegt hatte und glaubte, dass ich deshalb nicht mehr viel mit meinem alten Leben zu tun hatte. Es ist normal, dass man in einer Beziehung nicht mehr so „aktiv“ ist und sich ein wenig verändert. Beziehungen sind zwangsläufig eine Kette von Kompromissen. Aber wie viel von unserem selbst dürfen wir dem anderen opfern, bevor wir aufhören wir selbst zu sein?  Kann man sich selbst treu sein, wenn man mit jemanden zusammen ist?

    Der Kampf gegen sich selbst

    Bei jedem Konflikt mit dieser Person, die neuerdings seine Zeit mit mir verbrachte, fragte ich mich, ob es wert war über gewisse Dinge zu diskutieren. Aus irgendeinem Grund nahm ich vieles einfach so hin. Ich glaube, dass ich einfach keine Lust auf unnötige Diskussionen hatte. Zumindest redete ich mir das ein. Es war einfach das zu glauben, als das was ich im tiefsten Inneren wusste und nicht zugeben wollte. Ich ging viele Kompromisse ein, weil ich dachte: „Er ist zwar nicht das, was ich schon immer haben wollte, er kann mich auch nicht wirklich verstehen und hat kaum eine Ahnung von meinen eigentlichen Interessen, ABER er akzeptiert mich ja wie ich bin – mit meinem Rollstuhl.“ Das ist der eigentlich tragische Gedanke, den ich ignorieren wollte.

    Anziehen und verziehen!

    Doch genau das, war was mich überhaupt an diesem Menschen als anziehend empfand. Es muss etwas Besonderes in ihm stecken, sodass er mich ausgewählt hat. Ja, ich weiß, es klingt sehr nazistisch, jemand gut zu finden, weil er mich gut findet, aber ich bin nur ehrlich. Trotz allem konnte ich mich nicht länger vor der Wahrheit verstecken und fing mit den Corona-Lockerungen an, auch locker über gewisse Konflikte zu reden. Dabei bemerkte ich immer wieder, dass er nur das mochte, was aus mir geworden ist und nicht wer ich bin. Das war vermutlich auch der Grund, warum er sich ziemlich erbärmlich verzogen und im Anschluss sein wahres Gesicht immer mehr präsentierte.  

    Die Erkenntnis 

    Als alles vorbei war, fühle ich mich so frei und fragte mich ich was zum Teufel mich geritten hatte? Alle Attribute, die ich mir für mein Partner vorgestellt habe, waren so gut wie nicht vorhanden. Wenn es um Selbstständigkeit ging: Ich habe meine Wünsche und Träume nie von einer Person abhängig gemacht. Er schon. Was meine Behinderung angeht: Ich habe mich so gut es geht mit dieser Tatsache abgefunden, dass ich gewisse Dinge nicht tun kann bzw. neue Alternativen für mich finde. Aber er nicht und das Schlimmste war, er hatte Angst vor nahezu allem was irgendwie neu ist. Abgesehen davon auch kaum bereit für Spontanität und zu allem Übel abhängig von mir. In jeder Lebenslage! Alle Eigenschaften die man mir als Rollstuhlfahrerin unterstellte, hatte er eigentlich. Diese Erfahrung hat mich wieder das erkennen lassen, was ich ständig anderen vorpredige. Kein Partner auf dieser Welt (und mag er noch so „großartig“ sein), ist es wert so viele Kompromisse einzugehen. Ich bin lieber Single und zufrieden, als eine Beziehung zu führen, die mich unglücklich macht.

    Beziehungsmärchen 

    Frau suchen ständig den Fehler zuerst bei sich selbst. „Wie konnte ich so dumm sein? Warum habe ich es nicht früher bemerkt usw.“ Vielleicht ist das auch der Grund warum wir Märchen lieben. In vielen Mädchen möchte die weibliche Hauptfigur gerettet werden. Der Märchenprinz muss kommen, damit wir aus einem Schlaf erwachen, als dem Turm befreit oder vor der Bösen Stiefmutter gerettet werden. Schneewittchen hätte einfach kein Obst von einer Fremden annehmen sollen. Rapunzel hätte ihr Haar irgendwo fest machen können, daran runter klettern und dann die Haare abschneiden können. Aschenputtel hätte mit ihren Vögeln und Mäusen eine Schneiderei eröffnen können und mit dem Geld ausziehen können, aber NEIN – Es wird kleinen Mädchen eingeredet, dass ein Mann in diesen ganzen Geschichten nötig, um die Prinzessin zu befreien.  Das einzige Märchen, welches tatsächlich Sinn macht ist „Hans im Glück“ – Komischerweise auch das einzige Märchen, in dem es nur um ein Jungen geht. Mir kommt grade der Gedanke, ob Hans im Glück vielleicht der Vorreiter von Fightclub war? Wie dem auch sei, eigentlich möchte ich nur damit sagen, dass viele Frauen im Prinzip vor sich selbst gerettet werden wollen. Vor ihren eigenen Zweifel, Pessimismus und manchmal auch Wahnsinn. Aber kein emotionaler Ballast kann weg gezaubert werden von einem Möchtegern Märchenprinz, mit Hipster Bart und Skinnyjeans. Das können nur wir Frau selbst.  

    Verstecke und offensichtliche Behinderungen   

    Als Rollstuhlfaherin verkörpere ich vielleicht alle Ängste, die viele Menschen haben. Paradoxerweise agieren wir Rollstuhlfahrer für die Gesellschaft aber auch als rollende Motivationstrainer. Frei nach dem Motto: „Wenn die Rollstuhlfaherin das schafft, schaff ich das auch.“ Was nicht stimmt, aber das ist ein anderes Thema. 

    Fakt ist, dass mein Defizit auf dem Servierteller präsentiert wird. Das unfaire an der Sache ist, dass man die Defizite bei anderem Menschen nicht sofort erkennen kann. Erst nach Monaten erkannte ich, dass diese Person ein energiesaugender Kleptomane, eifersüchtiger Schizophrener und emotionaler Legastheniker war. All diese „Behinderungen“ hätte ich gerne auch beim ersten Blick erkannt. Mein heimlicher Traum war es irgendwann ein Artisten an meiner Seite zu haben, doch stattdessen bekam ich einen Autisten. Zwar glauben viele Leute, dass ich ein Scherz mache, wenn ich sage: „Bitte besorg dir eine Behinderung, die man sehen kann, damit andere vorgewarnt sind. Schließlich bin ich auch so fair.“ Aber bei einigen Menschen ist das völlig ernst gemeint. Entweder mag man jemanden so wie er ist, oder man lässt es einfach sein. – Egal ob nun behindert ist, oder nicht, Kompromisse sollten beide Partner gleichermaßen eingehen und nicht der eine mehr oder der andere weniger. Wenn es in eurer Beziehung so ist, dann lasst es und sieht ein, dass ihr in einer behinderten Beziehung gefangen seid!

  • „Ich wünschte, ich wäre behindert“

    Wenn ich behindert wäre, würden man mich immer ansehen
    Ich müsste mir nicht mehr so viele Mühe geben, besonders auszusehen

    Wenn ich behindert wäre, würde ich nie wieder arbeiten gehen
    Ach, dass wäre so bequem…

    Ich würde nie den vollen Preis einer Fahrkarte zahlen
    Als Behinderter könnte ich so viel sparen

    Es ist kein Wunder, dass unser Finanzmister behindert ist
    Der bezahlt bestimmt auch nicht für jeden Mist

    Wenn ich behindert wäre, würde ich ständig andere rumkommandieren
    Die Nerven der Leute damit strapazieren und mich darüber sogar amüsieren

    Als Behinderte, würde ich für alle alltäglichen Dinge bewundert werden
    Auch wenn ich mal etwas nicht hinbekomme, würde sich niemand beschweren

    Wenn ich behindert wäre, dürfte ich mich verrückt verhalten
    Ich könnte mein Leben völlig frei gestalten

    Wenn ich behindert wäre, wäre ich bestimmt für alle eine große Motivation
    Nach dem Motto: „Wenn Die es schafft, dann schaffen wir das auch schon.“

    Wenn ich behindert wäre, könnte ich mit meinem Rollstuhl beim McDrive bestellen
    Ich müsste mich nicht mehr an der normalen Kasse anstellen

    Für Behinderte findet man sogar neue Wort Kompositionen
    Wie „Handicap oder Inklusion“

    Schließlich darf man das nicht verwechseln mit der Integration
    Differenzierung ist hier schließlich das A und O

    Natürlich gibt es da auch bestimmt komische Fragen
    Womöglich könnten diese Fragen an meinem Ego nagen

    Aber das wäre mir nicht wichtig
    Was ich kann oder nicht kann, wäre offensichtlich

    Wenn ich behindert wäre, hätte ich immer etwas zu lachen
    Ich glaube damit hätte ich genügend Stoff, um daraus Stand-up Comedy zu machen

    Ich wäre auf allen Bühnen dieser Stadt
    Und die Leute würden sagen „Die Eine da, die dreht doch am Rat!“
    Ich würde beweisen, dass behindert sein, durch aus etwas hat

    Doch leider bin ich nicht behindert, schließlich kann ich schreiben
    Und lass mich lediglich von meinem Rollstuhl treiben

    Ich stehe mit beiden Beinen im Leben. Das kann jeder sehen
    Ohne auf ihnen jemals zu stehen

    Man muss nur verstehen
    Um zu leben, muss man nicht unbedingt gehen

  • Darf man behinderte Menschen kritisieren?

    Darf man behinderte Menschen kritisieren?

    Vorgelassen werden bei langen Schlangen, Bevorzugungen auf dem Arbeitsmarkt und Steuererleichterungen in Deutschland – Alles Dinge, die Menschen mit einem Handicap kennen und gerne nutzen. Dennoch tun viele Leute mit Behinderung so, als hätten sie nur ein Stückchen vom Kuchen bekommen und andere eine ganze Torte. Viele von unserer Spezies können unausstehlich sein und total uneinsichtig, trotzdem werden wir kaum darauf aufmerksam gemacht.

    Doch wie weit darf ein Mensch mit Behinderung gehen, um von anderen „normalen“ Menschen kritisieren bzw. belehrt zu werden?

    Zugegeben, ich habe oft in meiner Vergangenheit den Bogen bewusst überspannt, um endlich zu sehen, wo andere Menschen ihre Grenzen haben. Doch es gab keine. Ich habe mich einmal offensichtlich unter einem Nichtraucher Schild am Bahnhof hingestellt und meine Zigarette angemacht. Obwohl zehn Meter vor mir zwei Polizisten standen, genoss ich jeden einzelnen Zug, ohne gestört zu werden. Als wäre das noch nicht provokant genug, habe ich dann noch gewunken.

    Mir war nie bewusst, wie viel Narrenfreiheit ich habe, da ich zu sehr damit beschäftigt war „gleichberechtigt“ behandelt zu werden. Es gibt für mich keinen schöneren Zeitvertreib, als über kontroverse Themen zu schreiben und dementsprechend auch mit anderen Menschen zu diskutieren. Natürlich alles auf einer sachlichen Ebene. Wofür ich aber kein Verständnis habe, sind Leute, die meinen, dass man mit einem gehandicapten Menschen nicht hart ins Gericht gehen kann.

    „Sie haben es ja ohnehin nicht einfach“, denken viele Menschen!

    Wenn ich im Netz über politische, religiöse oder gesellschaftskritische Themen schreibe, stoße ich immer wieder auf Personen, die plötzlich anders mit mir über diese Themen sprechen, nur weil sie heraus gefunden haben, dass ich eine Rollstuhlfahrerin bin. Als hätte meine Behinderung Einfluss auf meine Argumentationen. Aufgrund dieser minderbemittelten Leuten, habe ich meinen Blog, in dem ich gerne über alles schreiben würde, bewusst getrennt und einen anderen zusätzlichen erstellt. Es muss nur ein Idiot her kommen und sagen „Hey Leute, die Frau ist behindert, so könnt ihr nicht mit ihr reden.“ Und dann geht es schon los: „Ach das tut mir aber leid. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich all das nicht gesagt. Als Rollstuhlfahrerin ist es verständlich, dass du das anders siehst. …bla bla bla…“ Das ist immer wieder ein Todschlagargument für so viele Leute, um keine Meinung mehr vertreten zu wollen. Manchmal stelle ich mir dann so kranke Fragen wie, „Was wäre, wenn Hitler oder solche Terroristen, wie die ISIS behindert wären?“ Wären all ihre Verbrechen an die Menschheit dann verständlicher? Würde man dann auch darüber hinweg sehen, da man als Behinderter generell (egal, wie intelligent man ist) immer anders wahrgenommen wird.

    „ Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung.“

    Dieses Zitat kommt vom Kabarettist Serdar Somuncu. Ich zitiere ihn immer wieder gerne, da er genau das wiedergibt, was ich immer wieder ausdrücken möchte. Unter „Gleichberechtigung“ muss man auch gleichermaßen die Kritiken an allen Volksgruppen, Religionen und Menschen ausüben dürfen. Für mich ist das auch eine Form der Diskriminierung, wenn mein Diskussionspartner mich plötzlich anders behandelt, nur weil er meint, dass die vier Räder unter meinen Hintern, Auswirkung auf mein kognitives Denkvermögen haben. Zum Schluss möchte ich gerne meinen Nicht-Behinderten Lesern etwas mitgeben. Ja, ihr dürft uns kritisieren oder belehren. Wir können manchmal genauso unausstehlich sein, wie ein spießiger Nachbar oder ein AFD Wähler.

     

    http://magazin.handicapx.com/darf-man-behinderte-menschen-kritisieren/

  • Was haben Migration und Inkusion gemeinsam?

    Was haben Migration und Inkusion gemeinsam?

    Deutschland – Das Land der Dichter und Denker, entwickelt sich immer mehr zum Land der dichten Denker!  Wir Deutsche lieben es simple Sachverhalte kompliziert und schwierig darzustellen, damit kaum jemand unserer System begreifen, oder sich gar darin integrieren kann. Die Diskussionen über dieses äußerst bekannte Wörtchen „Integration“ nehmen kein Ende.

    In einem Land, wie Deutschland, könnte ich als einzelne Person, alle drei Quoten erfüllen, die es in einem Unternehmen so gibt. Ich bin eine Frau, mit einem Migrationshintergrund und einem Inklusionsvordergrund. Dass ich ursprünglich aus dem Nahen Osten stamme, sieht man mir nicht an, doch meine Behinderung prescht so deutlich vor, wie aktuell Jan Böhmermanns Schmähgedicht in der Türkei. Als junge Frau, die zwischen der Integration und Inklusion sitzt, merke ich immer wieder, wie viele Parallelen es doch dazu gibt. Weder für Menschen mit einem Migrationshintergrund, noch Menschen mit Behinderung ist dieses Land gewappnet.

    Aber was macht es so schwer, sich hier in Deutschland zu integrieren? Und was haben jetzt Migration und Inklusion gemeinsam?

    Im Grunde werden Migranten und Menschen mit Behinderung in Deutschland ähnlich angesehen. In Deutschland ist man auch in irgendeiner Art und Weise Behindert, wenn man die deutsche Sprache nicht richtig beherrscht. Für beide erschafft man eine Parallelwelt, anstatt sie in die Gesellschaft zu integrieren. Das Wort „Inklusion“ benutzt man, damit es keine Irritationen gibt zwischen Integration und Inklusion. Generell erschafft man gerne neue Worthülsen, damit man schön kleinbürgerlich und engstirnig beide Begriffe unterscheiden kann.

    Inklusion – Ein Wort, welches sogar meine Autokorrektur noch nicht mal kennt und ständig rot unterstreicht. Wenn sogar mein Schreibprogramm dieses Wort nicht kennt, wie soll ich denn von anderen Menschen, die noch nie was damit zu tun hatten, erwarten, dass sie wissen, was das ist?

    Für fast alles in meinen Leben musste ich bisher selbst an diverse Türen kloppen und sagen „Hey hier bin ich. Ich möchte ein Antrag für dies und jenes stellen.“ Die Rechte und Gesetze dafür gibt es. Doch kaum jemand benutzt bzw. kennt sie. Alles ist so verzwickt und versteckt, sodass es noch schwieriger ist herauszufinden, was einem zusteht. Hier mache ich aber nicht unbedingt den Staat dafür verantwortlich, sondern eher uns Rollstuhlfahrer bzw. gehandicapte Menschen, die sich nicht selbst für ihre Rechte einsetzten. Wir warten ständig bis es uns jemand in den Schoß legt.

    So ähnlich sieht es auch bei den Migranten aus. Menschen mit Migrationshintergrund werden auch anderes behandelt, nur weil sie die Sprache nicht beherrschen. Seit Jahren entstehen viel mehr Ghettos und Wohnviertel, in denen man mehr unter sich ist.

    Selbst, wenn man sich nun dazu entschlossen hat, diese Rechte, die uns allen zustehen, zu nutzen, wird man vor viele Hindernissen gestellt.  Besonders bei den deutschen Ämtern merkt man das immer wieder. Die Ämter sind heutzutage vergleichbar mit Rollstuhlfahrern. Sie sind ohne ihren Rollstuhl völlig hilflos. Die Beamten hingeben reiten auf Paragrafen herum, als wäre es ein Rollstuhl, ohne den sie nicht Nachdenken können. Sie erwarten von einem Flüchtling tatsächlich, dass sie Wörter wie „Inanspruchnahme, Grundstücksentwässerungsanlage oder Restmüllbeseitigungsbehälterentleerung“ verstehen. Wie soll das bitte ein Flüchtling, der erst vor kurzem in Deutschland eingereist ist verstehen? Selbst ein Deutscher versteht nicht all diese Begriffe. Die Beamten hingegen verstehen nur solche Worte. Das ist für sie eine Art Code, den man knacken muss, um ins zweite Level zu kommen. Das zweite Level ist in dem Fall, den richtigen Antrag in die Hand gedrückt zu bekommen. Wenn man dann auch noch genug Ausdauer hat, um das Gesetz wirklich geltend zu machen, dann hat man es geschafft, vorerst! Denn eigentlich muss man nicht nur ein oder zwei Anträge für seinen persönlichen Bedarf stellen, sondern gefühlt Hunderte, bis man fertig ist. Bestenfalls hat der Sachbearbeiter, der vor einem steht so etwas schon mal gemacht und kann dir sagen, wie es weiter geht. Aber in der Regel hat er sogar noch weniger Ahnung, als man selbst, obwohl das sein Job ist.

    Ich durfte beides hautnah miterleben und könnte theoretisch damit bei einer Comedy Sendung auftreten. An einem Montagmorgen, sollte ich im Ausländeramt für eine Frau, die aus ihrer Heimat geflüchtet ist, übersetzen. Die Begrüßung war schon fantastisch. Die Sachbearbeiterin begrüßte die Frau mit „Guuuten Taaag Frau xxxx“ Schön langsam und laut, so als wäre die Frau neben mir taub! Dann kam die Sachbearbeiterin zu mir. „Klappt das so mit ihrem Rollstuhl? Können sie auch sprechen und mich verstehen?“ Ich war kurz davor mich taub zu stellen, um die Reaktionen weiter zu testen, aber das habe ich dann unterlassen. Stattdessen antwortete ich „Ja, kann ich! Sie mich auch?“ Sie nickte und lächelte mich leicht irritiert an. Ich riss mich zusammen und übersetzte alles unkommentiert. Jede einzelne Frage, die sie mir gestellt hat, betonte sie peinlich genau. Mit dieser „leichten Sprache“ hat die Beamtin weiterhin mit mir geredet. Bis dahin fand ich es ja schon sehr unterhaltsam, doch es kam noch besser. Ich musste ernsthaft Dinge übersetzten wie: „ Sie dürfen nicht ihre Kinder zu Tode prügeln. In Deutschland wäscht man sich in der Dusche oder Badewanne. Sie dürfen nicht klauen…“ usw. Scheinbar ging die Beamtin im Ausländeramt davon aus, wenn man nicht aus Deutschland kommt, hält man all das für nicht selbstverständlich. Innerlich schüttelte ich nur noch meinen Kopf. Irgendwann kamen wir dann auch zum Ende und die Sachbearbeiterin fragte mich einige private Dinge. „In welcher Behindertenwerkstatt arbeiten sie denn?“ Erneut versuchte ich mir meine sarkastischen Sprüche zu unterdrücken. „Ich studiere BWL.“ Die Sachbearbeiterin starrte mich mit großen Augen an. „Ach, sie studieren. Und wo haben sie kurdisch und arabisch gelernt?“ Ich sagte ihr, dass ich ursprünglich aus Syrien komme. Dann kam der Standardspruch, den vermutlich jeder kennt, der eine andere Muttersprache hat. „Sie können aber gut Deutsch.“ Ab dem Moment konnte ich mir einfach nicht mehr meine Sprüche verkneifen: „Ja klar, nach mehr als 22 Jahren sollte man doch die Sprache beherrschen?! Abgesehen davon habe ich fast mein gesamtes Leben hier verbracht!“ Die Sachbearbeiterin merkte, dass ich langsam genervt war und lies uns dann endlich gehen.

    Als ich raus ging, dachte ich über die Situation noch mal nach und kam auf die Erkenntnis, dass jeder irgendwie behindert ist. So lange wir alle zwischen Migranten, Deutschen, Behinderten und Gesunden unterscheiden, bleiben wir alle irgendwie eingeschränkt und gehandicapt in unser Sichtweise auf andere Menschen!

  • Tinderella on Tour

    Tinderella on Tour

    Wie viel müssen wir eigentlich über einen Menschen wissen, bevor wir sie oder ihn daten? Reicht uns ein Bild, der Beruf oder das Alter schon aus, um einen Menschen näher kennen zu wollen? Sind wir eigentlich im Internet dieselbe Person, wie im realen Leben, oder stellen wir uns unbewusst anders dar?

    All diese Eigenschaften spielen beim Online-Dating eine große Rolle. Unzählige Leute lernen sich heutzutage genau auf diese Art und Weise kennen. Aber was ist, wenn unsere Vorstellungen mit der Realität nicht übereinstimmen? Und wie oft hast du dich gefragt, ob dein Blind Date womöglich ein Handicap hat?

    Die Antwort ist, dass keiner sich darüber vorher Gedanken macht. Das ist auch kein Wunder, da daten und behindert sein für viele Menschen zwei total widersprüchliche Sachen sind. Nun ja, ich hab daraus ein Experiment gemacht und diese zwei vermeidlich widersprüchlichen Sachen vereint.

    Ich wollte wissen, wie Männer auf Tinder auf eine bloggende Rollstuhlfahrerin mit Migrationshintergrund wie mich reagieren. Die Bedingung dafür war, dass ich nicht jedem direkt gesagt habe, dass ich eine Behinderung habe und so die verschiedenen Reaktionen miteinander vergleichen wollte.

    Das erste Date

    Drei von fünf Männern wussten vor unserem Treffen nicht, dass ich im Rollstuhl sitze. Um eins vorweg zu sagen: Egal, ob ich ihnen vorher gesteckt habe, dass ich ein Handicap habe, oder nicht, die Reaktionen darauf waren ziemlich gleich. Vom peinlichen Schweigen bis hin zur großen Begeisterung, dass ich neben dem Rollstuhl fahren und meinem Studium tatsächlich auch noch denken und sprechen kann, war alles dabei.

    Nach circa fünf Tagen habe ich trotz all meiner Bedenken das erste Date mit jemandem ausgemacht. Tinder – Man Nummer 1 zeigte sich ziemlich ordentlich und ganz schön „hip“ für seine Mittdreißiger Jahre. Er schien ganz gut situiert in seinem Leben zu sein und versuchte sogar einen auf Hipster zu machen, in dem er sich seinen schönen grausigen Bart mühevoll auswachsen lies.

    Das Date mit ihm lief ziemlich gut, ja fast schon zu gut! Er fragte ziemlich interessiert nach meinem Leben und hat ernsthaftes Interesse gezeigt. „Gott sei Dank bin ich behindert“, dachte ich mir. Sonst hätte ich noch mit ihm schlafen müssen.

    Ein anderes normales „Tinder-Girl“ hätte sich vermutlich dieses Match nicht entgehen lassen. Doch wie heißt es so schön „wenn es am schönsten ist, sollte man gehen.“ Wir verabschiedeten uns voneinander und er bat mich, bevor er ging, sogar um ein zweites Date. Im Großen und Ganzen waren es ein paar nette Stunden, die ich mit ihm verbracht habe.

    Das zweite Date

    Spannend und gleichzeitig gelangweilt wartete ich mutterseelenallein am Bahnhof auf mein 2. Date. Ihm habe ich nicht verraten, dass ich im Rollstuhl sitze. Er war ein Landsmann von mir. Durch meinen Migrationshintergrund, der täglich hinter mir her schlendert, erlaubt es mein Open-Minded-Horizont auch meine anderen Landsleute unter die Lupe zunehmen.

    Zwischen all den neuen irritierenden Flüchtlingen, die sich wieder mal am Bahnhof tummelten, entpuppte sich meine Verabredung, als ein kleinwüchsiger, behaarter Kobold. Nicht zu vergessen seine Bierwampe, die er sich während seines Auslandssemesters, neben all seinen „Aktivität“, die er bei Tinder so schön dargestellt hatte, angetrunken hat.

    Dennoch wollte ich ihm eine Chance geben. Irgendwie hatte ich ein bisschen Mitleid. Abgesehen davon bin ich die Letzte, die auf Oberflächlichkeiten achten sollte. Auch wenn er es nicht mal für nötig gehalten hat, seine Haare zu kämmen, bevor er aus dem Haus gegangen ist. Ok, die Bezeichnung „Haare“ ist noch zu schön formuliert.

    Es waren eher ein paar Deckhaare, die seine Glatze verdeckt haben. Dennoch wollte ich mich nicht davon beirren lassen und lächelte ihn freundlich an. Sichtlich irritiert begriff er, dass er ein Date mit mir, der Rollstuhlfahrerin hat, die ihn von weitem anlächelte.

    Er hörte sich so gerne selbst beim Reden zu. Normalerweise haben Menschen wenigstens eine nette Persönlichkeit, wenn sie wissen, dass sie nicht unbedingt wie ein Supermodell aussehen, doch das traf bei ihm nicht zu.

    Tinder kann süchtig machen

    Zwischendurch stellte ich mir die Frage, wer wohl von uns der Behinderte war? Ich, die sich auf all diesen Mist einließ, oder er, der tatsächlich meinte, dass daraus mehr werden kann. An dieser Stelle beantworte ich diese rhetorische Frage lieber nicht.

    Irgendwann begriff selbst er, dass es ziemlich schlecht lief und fragte mich, ob wir zahlen sollen, um zu gehen. Ich stimmte euphorisch zu und die Kellnerin kam, um abzurechnen. Sie fragte: „Zusammen oder getrennt?“

    Bevor es noch peinlich wurde, sagte ich: „Getrennt bitte!“. Ich schaute ihn skeptisch an und bezahlte meinen 1,80 € Kaffee selbst. Nun, ein Vorteil haben getrennte Rechnungen, und zwar das auch getrennte Gehen!

    Insgesamt habe ich in den zwei Wochen, während ich bei Tinder angemeldet war, fünf Dates gehabt, die verschiedener nicht ablaufen konnten. Mit zunehmender Benutzung stellte ich mir zwischendurch oft die Frage „leben ich nun oder tindere ich nur?!“ Ja liebe Leute, nicht nur Candy Crush kann süchtig machen!

    Öffnet neue Türen

    Mit dieser App haben wir nicht nur den Zenit der totalen Oberflächlichkeit erreicht, sondern beweisen uns auch selbst damit, wie sehr wir uns von Fotos, Illustrationen, Selbstdarstellungen und Ich-Porträts hereinlegen lassen. Doch eins muss man ganz klar sagen: Die oberflächliche Schönheit, beziehungsweise Aussehen eines Menschen, ist das Erste, was wir an einem Menschen sehen.

    Sowohl im realen Leben, als auch in unserem virtuellen Leben, spielt das eine primäre Rolle. Im Internet war ich selbstsicher und schrieb sogar andere an, doch im realen Leben hätte ich das vermutlich nie gemacht.

    Fakt ist, dass diese Art der Kommunikation uns ganz neue Türen öffnet. Wir treffen uns nicht mehr auf Partys, um neue Leute kennenzulernen, sondern immer mit den gleichen Leuten in der gleichen Lokalität. Führer wurde man verkuppelt, doch heute passiert das immer seltener.

    Solche Apps, wie Tinder, finden immer mehr Platz in unserer Gesellschaft. Wir bestellen nicht mehr nur unsere Bücher, unser Essen oder unsere Kleidung im Internet. Wir sind schon so weit, dass wir sogar unsere Bekanntschaften aus dem Internet haben.

    Unser virtuelles Leben hat mittlerweile mehr Präsenz, als wir uns das eingestehen wollen. Ich frage mich, ob Tinder vielleicht sogar die klassischen Café- und Bahnhofsgespräche in der Zukunft ersetzen wird?

    http://www.huffingtonpost.de/arin-jaafar/dating-onlinedating-tinder_b_9856506.html